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17. September 2025 · von Hadi Zanjani

Ruhig starten,
dann Tempo
steigern

Das Renntempo von Anfang an richtig dosieren ist eine Kunst, die über gute und schlechte Rennen entscheidet. Hier ist, wie es geht.

📖 Lesezeit: ca. 5 Min.
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📅 September 2025

Die häufigste Fehlerquelle bei Laufwettkämpfen ist kein Konditionsmangel und kein schlechtes Training. Es ist der Start. Wer in den ersten Kilometern zu schnell läuft, bezahlt diesen Fehler in der zweiten Hälfte mit einem harten Preis: einbrechende Schrittlänge, Krämpfe, mentale Erschöpfung. Ein ruhiger, kontrollierter Start ist dagegen die Basis für ein starkes Rennen.

Warum viele zu schnell starten

Der Adrenalinschub beim Startschuss ist real und mächtig. Der Körper schüttet Stresshormone aus, die Herzfrequenz steigt noch vor dem ersten Schritt, und die Aufregung der Menge ist ansteckend. In diesem Zustand fühlt sich das eigentliche Renntempo plötzlich viel zu langsam an, und viele Läufer lassen sich mitreißen, schneller zu laufen als geplant.

Hinzu kommt die Gruppendynamik: Wenn alle um einen herum schnell loslaufen, entsteht ein unbewusster sozialer Druck. Das Mitlaufen in der Gruppe fühlt sich nicht schnell an, weil man nicht alleine kämpft. Doch das Tempo ist trotzdem zu hoch, und die Muskelglykogenreserven werden schneller verbraucht, als es für das geplante Endtempo optimal wäre.

Ein zu schneller Start in den ersten zwei bis drei Kilometern kann die Endzeit um mehrere Minuten verschlechtern. Die Muskulatur akkumuliert dann früh Laktat, die aerobe Kapazität wird überschritten, und die zweite Hälfte wird zum Überlebensmodus. Wer dieses Muster kennt, aus eigener bitterer Erfahrung oder durch Analyse, kann es beim nächsten Rennen bewusst durchbrechen.

Der Vorteil eines ruhigen Beginns

Wer die ersten Kilometer bewusst etwas langsamer als das geplante Renntempo läuft, befindet sich physiologisch in einem entscheidenden Vorteil. Die Glykogenspeicher werden geschont, die Laktatakkumulation bleibt niedrig, und der Körper kann länger aerob und damit effizient laufen. Das Herzkreislaufsystem hat Zeit, sich auf die Belastung einzustellen, ohne sofort an seine Grenzen zu stoßen.

Mentale Kontrolle ist ein weiterer Vorteil. Wer weiß, dass er Kraft gespart hat, geht die zweite Hälfte selbstsicherer an. Das Tempo steigern, wenn andere um einen herum einbrechen, ist nicht nur physisch befriedigend, sondern auch ein enormer psychologischer Motivationsschub. Viele Läufer beschreiben dieses Erlebnis als eines der schönsten im Laufsport.

Studien zur Wettkampfstrategie bestätigen: Die mit Abstand erfolgreichste Strategie bei Ausdauerläufen ist das sogenannte Negative Splitting, also die zweite Hälfte schneller zu laufen als die erste. Weltrekorde werden beinahe ausnahmslos mit dieser Strategie gelaufen. Amateurläufer können dieses Prinzip genauso anwenden wie Profis.

Tempo gezielt steigern

Die progressive Wettkampfstrategie folgt einem klaren Plan: Die ersten 20 bis 30 Prozent der Strecke werden etwa 5 bis 10 Sekunden pro Kilometer langsamer als das angestrebte Durchschnittstempo gelaufen. Im Mittelteil wird das Zieltempo erreicht und gehalten. Im letzten Viertel, wenn Kraft und Fokus noch vorhanden sind, wird das Tempo gezielt gesteigert.

Für die praktische Umsetzung ist eine GPS-Uhr mit Kilometeralarmfunktion ungemein hilfreich. Sie verhindert, dass man sich vom Gefühl oder von der Gruppe mitreißen lässt. Wer keinen GPS-Alarm nutzt, kann auch Pace-Armbänder verwenden oder sich im Training auf ein bestimmtes Herzfrequenzfenster für die ersten Kilometer eintrainieren.

Das Tempo steigern bedeutet dabei nicht zwingend, einen Sprint zu starten. Oft reicht es, in den letzten Kilometern das Tempo um drei bis fünf Sekunden pro Kilometer zu erhöhen, wenn die Konkurrenz um einen herum abbaut. Wer dann noch Reserven hat, läuft nicht nur eine bessere Zeit, er erlebt auch das Rennen als positives, motivierendes Erlebnis, das ihn zum Weitermachen anspornt.

Fazit

Geduld am Start ist
Stärke im Ziel

Ein ruhiger Start ist kein Zeichen von Schwäche, er ist der Ausdruck von Wettkampferfahrung und Selbstkontrolle. Wer seinen Körper und sein Energiemanagement versteht, läuft ein besseres Rennen, erzielt eine bessere Zeit und erlebt den Sport nachhaltiger und befriedigender.

Wenn du lernen möchtest, wie du deine Wettkampfstrategie und dein Lauftempo optimierst, biete ich in Hannover individuelle Trainingsberatung und Laufanalysen an. Lass uns gemeinsam deinen nächsten Wettkampf planen.

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